Programm des Gleichgewichts-Buches

Das Programm

Umbrüche -
Menschen -
Glück

In ihren fünf Streitgesprächen entwickeln die zehn Philosophen ihre grundverschiedenen Wege zu einem guten Leben im Gleichgewicht. Z. B. David Hume (links) den Common Sense der Menschlichkeit und Jean-Jacques Rousseau den Contrat Social.

Ihre sozialen Innovationen gaben Orientierung und halfen, ihre jeweiligen Umbrüche zu bewältigen - gerade im Streit um den in Ziel und Umsetzung richtigen Weg. Ihr Streit brachte in aller Schärfe die Gegensätze zwischen dem Freiheitsprinzip und dem Gleichheitsprinzip zum Vorschein, an deren Balance wir uns heute noch immer wieder auf's Neue  abarbeiten. 

Der Rückgang in das Erbe ihrer Auseinandersetzung hilft noch heute bei der Suche nach den Glücksgleichgewichten in der großen Transformation.


 

Umbruchzeiten - Menschenbilder - Glücksgleichgewichte

Mehrdimensionale, zeitliche, emotionale und soziale Intelligenz

  • Platon und Aristoteles entwickelten im 4. Jh v. Chr. gemeinsam einen Kompass zum Glück, den sie „Seele“ nannten. Sie empfehlen am Scheideweg zwischen dem Pfad zur Vollkommenheit und dem Pfad der Balance gegensätzliche Richtungen: Platon den Aufstieg im „göttlicher Wahnsinn“ der Liebe, die Mitarbeit am gerechten Staat und die Selbstvergewisserung in einer Werte-Gemeinschaft, Aristoteles das soziale Gleichgewicht des charakterstarken Menschen in der freundschaftlichen Gerechtigkeit, die Stärkung des Mittelstandes und eine wissenschaftlich forschende Akademie.

 

  • Ambrosius und Augustinus begründeten im 4. Jh. n. Chr. die Kirche als exklusive Glücks-Instanz für die Christus-Nachfolger. Sie finden aber jeweils entgegengesetzte Glücks-Gleichgewichte: Ambrosius in der geschwisterlich unterstützenden und wehrhaften Gemeinde, die sich auf die Maxima Moralia Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Armut konzentriert, die antike Tugendlehre als Minima Moralia integriert und auch den Widerstand gegen den Kaiser nicht scheut; Augustinus in der einzigartig persönlichen Beziehung zu Gott, der Ausrichtung auf das kommende Reich Gottes und der liebenden Hoffnung auf Gnade in der Verschmelzung der Zeiten.

 

  • René Descartes und Blaise Pascal analysierten im 17. Jahrhundert das Ich als Zentrum des Alls mit seiner Sehnsucht nach Unendlichkeit. Ihre Wege zum Glück sind jedoch entgegengesetzt: Descartes zielt auf die Balance des Menschen als duales Geist-Körper-Wesen über fünf Kunstgriffe der Menschlichkeit und eine Treppe der positiven  Psychologie. Pascal sieht den dreidimensionalen Menschen vor die Wahl eines sterblichen oder unsterblichen Lebens gestellt und entwickelt einen Glückskalkül für das Gleichgewicht des Begehrens zwischen Erfolg, Wahrheit und Liebe.

 

  • David Hume und Jean-Jaques Rousseau suchen im 18. Jh. für das menschlichen Trilemma zwischen Freiheit, Gleichheit, Glück neue Gleichgewichte - mit gegensätzlichen Prioritäten für Freiheit oder Gleichheit, emotionalem Gemeinsinn oder institutionalisiertem Gemeinwillen. Dafür erfinden sie die Wissenschaft vom ambivalenten Menschen, den Gesellschaftsvertrag als Grundlage einer gerechten Staatsverfassung und die Politische Ökonomie entweder als interventionistische nationale Planwirtschaft oder als liberale weltweite Marktwirtschaft.

 

  • Walter Eucken und Martin Heidegger entwickeln in der Hochphase der zweiten industriellen Revolution mit ihrer arbeitsteiligen Massenproduktion im Vorlauf auf den Zweiten Weltkrieg neue Wissenschaftssprachen, die Analyse des Individuums und der Gesellschaft zwischen Authentizität und sorgender Achtsamkeit einerseits oder Leistungswettbewerb und Sozialer Marktwirtschaft andererseits. Heidegger sucht das synchrone Gleichgewicht des Menschen in der selbstbestimmten Zeit, Eucken die human gebundene Freiheit des Menschen in einer Wettbewerbs-Ordnung. Sie verteidigt  das Macht-Gleichgewicht im Markt zwischen Anbietern und Nachfragern und verhindert, dass wirtschaftliche Monopole zu politisch autoritären Monopolen eskalieren - wenn die frei planenden Menschen auch im fairen Leistungswettbewerb dafür einstehen.

 

Der Seelenkompass, die gewählte Deutungsinstanz für gutes Leben, das über sich hinauswachsende Ich und seine Balance der Erfolgslogiken, die Konzeption einer gerechten Gesellschaftsordnung in Staat und Ökonomie zwischen Freiheit, Gleichheit und Glück sowie der Ordnungsrahmen für Macht und Zeit sind fünf unverzichtbare Bausteine des modernen Selbst. Diese Selbsterfindungen sind uns Heutigen nicht einfach durch die Gnade der späteren Geburt gegeben. Wir Spätergeborene müssen uns ihrer schon wieder neu vergewissern, wenn wir unsere Wege zu neuen Glückgleichgewichten  nicht einfach planlos ins Blaue hinein beschreiten und alte Fehler wiederholen wollen, die wir im Rückgriff auf unser geistiges Erbe vermeiden könnten. 

Wie also kann die tätige Aneignung unseres historischen Erbes gelingen? Nutzen Sie dazu gerne die Selbstchecks jeweils am Ende der Dialoge!

 

 

Stand: April 2026

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